Danke, es war sehr schön mit euch.

 

Ende 2017 habe ich eine Rückschau veröffentlicht. Es war ein verdammt intensives Jahr. Ich hatte viel vor und wollte mit dem Blog wieder neu starten oder weitermachen oder irgendwie so.

 

Und jetzt sitze ich wieder da; kurz vor Silvester. Diese Entscheidung steht schon sehr lange an:

Was soll ich mit krachbumm.com machen?

 

Denn eigentlich ist daraus eine Berufstätigkeit entstanden und sogar ein Buch, für das ich sehr viele Interviews letzten Sommer gegeben hab. Ich hätte auch locker noch jede Menge Social Media dazu machen können. Aber ich hatte einfach keine Lust. In diesem Sommer war ich auf drei Festivals, ich bin im Herbst wieder nach Island geflogen, bin mit meinem Kind in Österreich herumgetingelt und hab alles Mögliche erkundet, ich war auf so unglaublich vielen Konzerten, hab mir viel mehr Zeit für meine Freundinnen genommen und meiner Beziehung Raum zum Wachsen gegeben. 

 

Auf die Milf-Mädchenrechnung bin ich unheimlich stolz. Jedes Mal, wenn ich darin blättere, überrascht es mich immer wieder, dass ich es geschrieben hab. Es steckt unheimlich viel Hirnschmalz und Masterarbeit drinnen, Recherche, Herzblut, Schweiß und Last-Minute-Krise. Als ich im Sommer in einem meiner Lieblingslokale eine Lesung gehalten hab, kamen lauter Menschen, die ich nicht kannte und die das Buch noch nicht gelesen hatten. Sie haben genau an den gewünschten Stellen gelacht und ich hatte meine absolute Freude damit. Irgendwann wird es auch ein Video dazu geben. Diese Resonanz, dieses Gegenüber ist mir aktuell wichtiger in der Offline-Welt. In Bezug aufs Buch genauso wie in allen anderen Belangen.

 

Außerdem bin ich nicht mehr Krachbumm-like. 

Ein Schuh, der nicht mehr passt.

Als ich anfing zu bloggen, hatte alles Experimentcharakter. Ich begann gerade Geschlechterforschung zu studieren und dokumentierte meine neuesten Erkenntnisse. Dann wurde ich Mutter, dann entstand plötzlich umstandslos.com, das Projekt krachbumm schlummerte in mir und ich lernte alles über Blogs, was eine*r damals so d'rüber lernen konnte. 

 

Es gab Veröffentlichungspläne, Kooperationen, es gab ein CI und sogar ein ebook. Es steckte total viel Arbeit darin und es kam auch total viel an Rückmeldung und sehr berührenden Nachrichten an mich zurück. Aber meine Lebensumstände veränderten sich und auch ich mich. Mit einer Anstellung als Sexualpädagogin und drei weiteren Ninja Turtels, mit denen Unglaubliches auf die Beine gestellt wird, muss ich nicht mehr gefühlt allein gegen Windmühlen anschreiben und rebellieren.

 

Als mir eine Journalistin für einen Artikel zu meinem Buch sowas wie Frustration und Wut neben meinen Namen schreiben wollte, merkte ich, wie sehr der jugendliche Kampfgeist, der Gelassenheit und Stärke gewichen ist. Auch wenn ich immer noch hin und wieder einen Rant ins Internet lasse, so bin ich doch insgesamt #unaufgeregt geworden. Ob das daran liegt, dass wir in der Arbeit diesen Hashtag etabliert haben? Ich weiß es nicht. In einem podcast sagte ich zumindest, ich fühle mich weniger rebellisch, dafür mehr wie ein Einhorn, das gemütlich in der Hängematte chillt und den Stinkefinger zeigt (wie auch immer das mit Hufen möglich ist). 

 

Gleichzeitig hat sich das Internet weiterentwickelt. In der Zeit, in der ich immer weniger gebloggt hab, nahm ich auch wahr, von anderen weniger zu hören. Wegbegleiterinnen haben ebenfalls aufgehört oder anders weiter gemacht, manch persönlicher Blog ist einem ernst zunehmenden beruflichen Standbein gewichen und schaut nun professioneller und geglätteter aus, manche haben sich aufs Podcasten verlegt - weil es vermutlich weniger Aufwand ist, haben ihre Webseiten relauncht oder sich stärker auf instagram vertreten. Dort dümple auch ich meistens herum. Weniger aktiv, mehr zuschauend. Mir fehlt der Geist, mich ernsthaft um meine Social Media Kanäle zu kümmern. Eigentlich will ich weniger Zeit am Handy verbringen.... Tja. Und professionell bloggen macht irgendwie auch nur Sinn, wenn es ernsthaft betrieben wird. 

Wehmut  und Loslassen

Alle Artikel von Krachbumm bleiben weiterhin bestehen. Viele Blogger*innen haben darauf verlinkt, wenn es um Aufklärung oder Prävention sexualisierter Gewalt ging. Das sind Ressourcen, die ich weiterhin allen zugänglich machen möchte, die das Netz nach Hilfreichem durchstöbern. Gleichzeitig bin ich auch jedes Mal total entzückt, wenn ich sehe wer in welchem Kontext auf mich verlinkt hat. <3 <3 <3

Auch beim Durchschauen meiner Bilderordner und Blogartikel wird mir ganz warm ums Herz. Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt und von ihnen gelernt. Dank Krachbumm, saß die großartige Mareice Kaiser schon mal an meinem Küchentisch und ich durfte ihr meinen Fön leihen :). Als ich Anne Wizorek nach einem ihrer Vorträge traf und mich vorstellte, sagte sie mir gleich, sie liest mich (omfg) und Mithu M. Sanyal ebenso. (Hier Herzchenaugen einfügen). Aber auch all die anderen Begegnungen mit mir unbekannten Menschen, die mich plötzlich irgendwem vorstellten oder nachfragten, ob ich nicht die aus dem Internet bin, oder mir sagten, sie haben mein Buch gelesen. Das ist so weird, aber auch sehr schön. Und vor allem die Menschen, die mir aufgrund von unterschiedlichsten Blogposts unglaublich lange Mails schrieben und mir ihr Vertrauen schenkten, und die sporadischen aber dennoch sehr intensiven Mailwechsel, die sich mit manchen Blogger*innen ergeben haben und die immer wieder auch nach Monaten dort anknüpfen, wo mensch aufgehört hat. DANKE.

Durch Krachbumm hatte ich die lustigsten Fotoshootings mit Anna Lisa Kiesel. Für mein Pressefoto, auf dem ich mit einem Superman-T-Shirt zu sehen bin, und dass es in viele Interviews geschafft hat, malten wir mit abwaschbarer Straßenkreide mein Logo auf die Wand einer Tiefgarage und versuchten neben dem Posing auch noch zwei Kleinkinder und einen Hund zu beaufsichtigen. Für die erotischen Fotoshootings suchte ich über Facebook Paare, die sich fotografieren ließen und hatten dabei die komischsten Situationen. Noch heute treffe ich immer wieder unbeabsichtigt eines der Paare an einem FKK-Strand und weiß nie, ob sie mich erkennen oder nicht und bin dann ganz verlegen. (*ggg*)


Mit MadameMimzi zeichnete und malte ich für die Titelbilder nicht nur um die Wette, sondern hatte auch im wahrsten Sinne des Wortes entblößende Momente. Darüber muss ich noch immer lachen. Außerdem hat sie mir eine Arbeit abgenommen, die ich damals absolut nicht mochte: Interviews führen. Das hat sich geändert. Sehr. :) Wir treffen uns noch immer, oder wieder und sind uns gegenseitige Inspiration.

 

Ich weiß, wie viel Liebe und Begeisterung ich in dieses Projekt gesteckt habe und wie viel es mir zurückgegeben hat. Noch immer habe ich Ordner voller Blogpost-Ideen, aber gleichzeitig bin ich auch erschöpft allein beim Nachdenken über die Anforderungen der Online-Welt heute. Zu Ende dieses Jahres bemerke ich, dass vielen Youtuber*innen, denen ich folge und vielen Blogger*innen gerade die Luft ausgeht. Dass sie erschöpft sind und sich neu fokussieren müssen oder einfach mal ordentlich Abstand brauchen. Über krachbumm'sche Online-Strategien mag ich aber auch 2019 nicht mehr nachdenken. Mein Ziel ist längst erreicht. Ich möchte keine Nächte mehr in dieses Projekt investieren. Ich mag lieber schlafen, oder endlich mal all diese Bücher lesen.

 

Es ist an der Zeit mein digitales Baby endlich los zu lassen und Platz zu machen für etwas Neues, von dem ich keine Ahnung habe, was es ist, und wie es sich entwickelt. Wenn ich Lust habe, werde ich bloggen oder was auch immer veröffentlichen - vermutlich aber ganz old school in einer langen Wurst, und persönlich. Und dann sehen wir mal, wohin das führt. 

Bis dahin: Tief durchatmen.

 

PS: Und das ist auch die Domain, die ich mir für hier reserviert hab ;-)